Gutes erhalten und sinnvoll weiter entwicklen

Das Viktoriaviertel weist gewachsene Strukturen auf. Schon vor Jahrhunderten stand hier ein Franziskanerkloster. Diese städtebauliche Struktur lässt sich neute noch ablesen: kleinteilige Blockrandbebauung gepaart mit größeren städtebaulichen Strukturen (Schwimmbad und Museum). Diese gewachsene, historisch geprägte Stadtstruktur gilt es beizubehalten und behutsam weiter zu entwickeln. Kahlschlagsanierungen sind aus heutiger Sicht als Konzept überholt. Die Stadt der Zukunft ist die Stadt der kurzen Wege, ökologisch-nachhaltig und bunt-vielfältig.

Nutzungsstrukturen

Anhand der städtebaulichen Formgebung lässt sich die Nutzungsstruktur ablesen: Wohnnutzung und kleinteilige gewerbliche Nutzung in den Häuserzeilen, öffentliche Nutzung in den großen Liegenschaften. Diese gewachsene Nutzungsstruktur wird sollte unbedingt beibehalten. Das Viktoriaviertel ist durch seine Kleinteiligkeit ein lebendiger Lebensort und durch die direkte Nähe zu Universität und Innenstadt ein Begegnungsort für Bonnerinnen und Bonner aller verschiedenen Lebenslagen.

Innenhof

Der Innenhof wird vom ruhenden Verkehr befreit und als öffentlicher Raum nutzbar gemacht. Der entsiegelte und teilweise begrünte Innenhof dient Anwohnern und Besuchern zur Erholung und als Treffpunkt. So entsteht ein neuer Ort direkt am Rand der Innenstadt mit hoher Aufenthaltsqualität und einem kulturellen Highlight: dem denkmalgeschützten Fenster des Viktoriabades.

Die Franziskanerstraße

Die Franziskanerstraße liegt unmittelbar neben dem Universtätshauptgebäude und bietet damit eine ideale Lage als Treffpunkt und Aufenthaltsort für Bonner Studierende. Eine studentische Infrastruktur (mit Kopierläden, Kiosk, Studentenkneipen und -cafés) ist bereits heute vorhanden. Diese gilt es zu stärken und zu erweitern, um auch in Zukunft Studierende vom Studienstandort Bonn zu überzeugen.
Durch die Umwandlung zur Fußgängerzone bietet die Franziskanerstraße zukünftig mehr Platz zum Verweilen und schafft einen attraktiven Raum für eine erweiterte Außengastronomie.

Verbindung zum Rhein

Der Rhein, ein prägendes Element der Stadt, ist momentan nur schwer von der Innenstadt aus zu erreichen. Auch der Masterplan der Stadt Bonn fordert eine stärkere Anbindung der City an den Rhein.
Die Franziskanerstraße bietet sich dafür an: In direkter Achse führt die Franziskanerstraße über den Belderberg hinweg in die Konviktstraße und damit geradeaus hinunter zum Rhein. Diese Achse gilt es zu stärken: Eine sichere Querung für Fußgänger und Fahrradfahrer ist einzurichten.

Der Innenhof und das Viktoriabad

Der Vorbau des Viktoriabades (ehemalige Umkleiden) wird macht Platz für Freiraum und ergänzenden Wohnungsbau. Alle übrigen Gebäudeteile werden behutsam renoviert bzw. umgebaut und einer neuen Nutzung zugeführt.

Franziskanergasse

Die Franziskanergasse wird in der historischen Form wieder hergestellt, als Durchgangsmöglichkeit von der Bonner Innenstadt zum Stockentor und zum Hofgarten. Die Gasse führt durch einen öffentlich zugänglichen, teilweise begrünten Innenhof, der eine zusätzliche grüne Ruhezone in der Bonner Innenstadt bietet.

Bezahlbarer Wohnraum

im Innenhof selbst wird zusätzlich zur bestehenden Wohnbebauung neuer bezahlbarer Wohnraum geschaffen. Er erneuert die Möglichkeit innerstädtischen Wohnens und wertet durch Lebendigkeit und Vielfalt die vorhandenen Wohnungen weiter auf.

Viktoriabad neu nutzen

Das denkmalgeschützte Fenster des Viktoriabades erhält prominente Bedeutung bei der Neugestaltung des Innenraumes des Viktoriaviertels. Es wird ein Anziehungspunkt für Bonner Bürgerinnen und Bürger, die das Viktoriabad noch in seiner ursprünglichen Nutzung kannten, und für kunsthistorisch interessierte Neubürger Bonns.
Der Innenraum wird der gemeinschaftlichen Nutzung zur Verfügung gestellt und damit zu einer der innerstädtischen Attraktionen.

Der Vorbau, in dem sich die ehemaligen Umkleiden befanden, macht einem Raum Platz, der als Treffpunkt und Aufenthaltsort genutzt werden kann.
Der verbleibende Innenraum wird gemeinschaftlich genutzt und bietet Kulturveranstaltungen Raum.

Mögliche Nutzungskonzepte

1. Es wird ein integrierter Saal für Kulturveranstaltungen geschaffen, der lokalen, insbesondere gemeinnützigen Initiativen zur Verfügung gestellt wird. Der Bereich um den Saal wird Ausstellungsfläche (z.B. für Künstler) und Begegnungsraum.

2. Die ehemaligen Räume von Stadtmuseum und Gedenkstätte werden Initiativen und Kreativen zur Verfügung. Darüberhinaus wird dort das Konzept des Co-Working-Space als neue Form der Zusammenarbeit erprobt.

3. Der Innenraum (große Halle des Viktoriabades) wird dem Stadtmuseum und der Gedenkstätte zur Verfügung gestellt. Die übrigen Teile des Viktoriabades werden kleinteilig genutzt.

Verkehrsberuhigt besser leben

Die Franziskanerstraße wird zur Fußgängerzone umgestaltet und bietet der vorhandenen Gastronomie mehr Raum. Auch die existierenden Geschäfte erhalten mehr aktiv nutzbare Fläche.
So wird die Franziskanerstraße enorm aufgewertet und für Studierende, Anwohner und Passanten zu einem attraktiven Treffpunkt. Die Rathausgasse wird wie die Stockenstraße verkehrsberuhigt. Der Individualverkehr wird so weit möglich und sinnvoll eingeschränkt.

Die Stockenstraße erweitert die Innerstädtische Fußgängerzone und schafft so eine sichere und für Passanten angenehme Verbindung zwischen City und Hofgarten / Universität. Die Einfahrt zur Marktgarage wird nach Möglichkeit verlegt.

Die Verkehrsführung auf dem Belderberg bleibt, wie sie ist. Neu einzurichten ist eine sichere Querung von der Franziskaner- zur Konviktstraße, wodurch eine direkte Verbindung zum Rhein für Fußgänger und Fahrradfahrer geschaffen wird. Der Innenhof des Viktoriaviertels wird vom ruhenden Verkehr befreit und mindestens teilweise begrünt.

Mögliches Modell:
Die Rathausgasse und die Stockenstraße werden zum Shared Space, ein innovatives Verkehrskonzept, das sich in anderen europäischen Ländern bewährt hat, in Deutschland noch weitgehend unbekannt ist.

Die Viva Werkstatt – Der Prozess

Diese Prinzipien haben wir gemeinschaftlich auf der Viva Werkstatt erarbeitet. Der Prozess wurde von Michaela Ruhfus begleitet, die unsere Ergebnisse anschaulich festgehalten hat. In unserer gemeinsamen Erklärung haben wir diese Prinzipien noch einmal festgehalten.